Die in die Wälder der deutschen Eifel eingebettete Nürburgring-Nordschleife gilt weithin als die anspruchsvollste Rennstrecke, die je gebaut wurde. Auf einer Länge von mehr als zwanzig Kilometern kurvenreichen Asphalts vereint sie außergewöhnliche Länge, unerbittliche Höhenunterschiede und über 150 Kurven zu einer Herausforderung, die im Motorsport ihresgleichen sucht.
Die Nordschleife, die von Jackie Stewart den Spitznamen „Die Grüne Hölle“ erhielt, ist zum ultimativen Maßstab sowohl für das fahrerische Können als auch für die Automobiltechnik geworden. Von Formel-1-Legenden bis hin zu Herstellern von Serienfahrzeugen – Generationen sind hierhergekommen, um eine einfache Wahrheit zu erkennen: Jede Schwäche wird hier offenbart.
Auch heute noch gilt die Nordschleife als das weltweit maßgebliche Testgelände und dient zugleich als legendäre Rennstrecke, als technisches Versuchslabor und als eines der bedeutendsten Ziele der globalen Automobilkultur.
Kurz gesagt
- Die Nordschleife wurde 1927 als Teil des ursprünglichen Nürburgrings eröffnet.
- Jackie Stewart prägte bekanntlich den Spitznamen „Die Grüne Hölle“.
- Mit einer Länge von über 20,8 Kilometern zählt sie nach wie vor zu den längsten permanenten Rennstrecken der Welt.
- Mit mehr als 150 Kurven stellt das Auswendiglernen eine der größten Herausforderungen im Motorsport dar.
- Im Rahmen der „Touristenfahrten“ können Mitglieder der Öffentlichkeit an ausgewählten Tagen auf der Rennstrecke fahren.
- Die meisten großen Hersteller von Hochleistungsfahrzeugen führen Testprogramme auf dem Nürburgring durch.
- Die Rundenzeiten auf der Nürburgring-Nordschleife haben sich zu einem der weltweit anerkanntesten Maßstäbe für die Leistung von Serienfahrzeugen entwickelt.
Geschichte
Die Nordschleife war Teil des ursprünglichen Nürburgring-Komplexes, der 1927 nach zweijähriger Bauzeit offiziell eröffnet wurde. Die ursprüngliche Rennstrecke, die in erster Linie als nationale Rennanlage und Beschäftigungsprojekt errichtet wurde, vereinte die Nordschleife, die Südschleife und die Verbindungsstraßen zu einer der längsten permanenten Rennstrecken, die jemals geschaffen wurden.
Fast augenblicklich erlangte die Nordschleife einen Ruf, der mit keiner anderen Rennstrecke zu vergleichen war. Das natürliche Gelände bot eine außergewöhnliche Kombination aus blinden Kuppen, Kompressionen, Kurven mit Negativneigung und ständig wechselnden Wetterbedingungen, die selbst die besten Fahrer jener Zeit auf eine harte Probe stellten.
Die Rennstrecke wurde zur Austragungsstätte des Großen Preises von Deutschland und zahlreicher internationaler Langstreckenrennen, bevor sich die Formel 1 nach Niki Laudas Unfall im Jahr 1976 zurückzog.
Anstatt in Vergessenheit zu geraten, schlug die Nordschleife ein neues Kapitel auf.
Als die Hersteller begannen, nach dem idealen Umfeld für die Entwicklung von Hochleistungsfahrzeugen zu suchen, entwickelte sich die Rennstrecke zur weltweit führenden Einrichtung für die Fahrzeugentwicklung. Heute unterhält praktisch jeder bedeutende Hersteller von Hochleistungsfahrzeugen eine Entwicklungspräsenz rund um den Nürburgring und nutzt die Nordschleife, um alles zu testen – von Sportwagen und Supersportwagen bis hin zu Elektrofahrzeugen und Hochleistungsreifen.
Streckendesign
Die Nordschleife ist 20,832 Kilometer lang und weist etwa 154 Kurven auf, womit sie mit Abstand die längste permanente Rennstrecke ist, die regelmäßig für internationale Wettbewerbe genutzt wird.
Im Gegensatz zu modernen Rennstrecken folgt die Nordschleife den natürlichen Konturen der Eifel. Die Runde führt über einen Höhenunterschied von mehr als 300 Metern und durchquert Täler, Wälder und Bergrücken, wobei das Gelände fast gar nicht künstlich gestaltet wurde.
Kein Sektor gleicht dem anderen.
Auf schnelle Kurven folgen technisch anspruchsvolle Abschnitte. Glatte Fahrbahnen werden plötzlich uneben. Stetige Änderungen der Fahrbahnneigung beeinflussen kontinuierlich die Bodenhaftung, während die Wetterbedingungen an verschiedenen Stellen der Rennstrecke oft stark variieren.
Anstatt eine einzige Ideallinie vorzuschreiben, belohnt die Nordschleife stets Vorausschau, Anpassungsfähigkeit und Erfahrung.
Es ist nach wie vor eine der wenigen Rennstrecken, auf denen ein Fahrer auch nach Hunderten von Runden noch Neues lernt.
LÄNGE
20,832
Kilometer
BREITE
6–8
Meter
RICHTUNG
CW
im Uhrzeigersinn
BELAG
Asphalt
HÖHENUNTERSCHIED
292,1
Meter
ERÖFFNET
1927
vor 99 Jahren
Die Nordschleife zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Kombination aus Länge, Höhenunterschieden, wechselnden Fahrbahnbelägen und mehr als 150 Kurven aus, weshalb das Auswendiglernen der Strecke und das Vorausahnen der Kurven für eine schnelle Runde von entscheidender Bedeutung sind. Von Hatzenbach und Hocheichen führt die Strecke über den Flugplatz und das Schwedenkreuz hin zur starken Bremsstelle am Aremberg, bevor es steil durch die Fuchsröhre hinabführt und wieder hinauf zum Adenauer Forst steigt.
Der mittlere Teil der Runde führt durch eine Abfolge markanter Abschnitte, darunter Metzgesfeld, Wehrseifen und Bergwerk, an dessen Ausfahrt der lange Anstieg durch das Kesselchen in Richtung Klostertal beginnt. Das Karussell mit seiner steilen Betonkurve ist die bekannteste Kurve der Rennstrecke, bevor die Hohe Acht, Wippermann und Brünnchen in eine weitere Abfolge schneller Höhen- und Richtungswechsel münden.
Die letzten Kilometer durch den Pflanzgarten, den Schwalbenschwanz und das Kleine Karussell sind ebenso anspruchsvoll, bevor der Galgenkopf den Antritt auf die lange Döttinger Höhe bestimmt. Keine einzelne Kurve prägt die Nordschleife; ihre Herausforderung besteht darin, Präzision und Einsatzbereitschaft über eine enorme, zusammenhängende Abfolge hinweg aufrechtzuerhalten, in der Kuppen, Unebenheiten, blinde Anfahrten und wechselnder Grip das Zusammenspiel zwischen Fahrzeug und Straße ständig verändern.
| # | Kurve |
|---|---|
| 1 | Antoniusbuche Links |
| 2 | Tiergarten Rechts |
| 3 | Hohenrain |
| 4 | T13 Rechts |
| 5 | Sabine-Schmitz-Kurve Links |
| 6 | Hatzenbach |
| 7 | Hocheichen Links |
| 8 | Quiddelbacher Höhe |
| 9 | Flugplatz Rechts |
| 10 | Kottenborn Links |
| 11 | Schwedenkreuz Links |
| 12 | Aremberg Rechts |
| 13 | Fuchsröhre Links |
| 14 | Adenauer Forst Rechts |
| 15 | Metzgesfeld |
| 16 | Kallenhard Rechts |
| 17 | Spiegelkurve Links |
| 18 | Dreifach-Rechts Rechts |
| 19 | Wehrseifen |
| 20 | Breidscheid |
| 21 | Ex-Mühle Rechts |
| 22 | Niki Lauda Links |
| 23 | Bergwerk Rechts |
| 24 | Kesselchen Links |
| 25 | Mutkurve Links |
| 26 | Klostertal Rechts |
| 27 | Steilstrecke Rechts |
| 28 | Karussell Links |
| 29 | Hohe Acht Rechts |
| 30 | Hedwigshöhe Rechts |
| 31 | Wippermann Rechts |
| 32 | Eschbach Links |
| 33 | Brünnchen Rechts |
| 34 | Eiskurve Links |
| 35 | Pflanzgarten Rechts |
| 36 | Pflanzgarten II Links |
| 37 | Sprunghügeln |
| 38 | Stefan-Bellof-S |
| 39 | Schwalbenschwanz Links |
| 40 | Kleine Karussell Links |
| 41 | Galgenkopf Rechts |
| 42 | Döttinger Höhe |
Die Nordschleife entwickelte sich nach ihrer Eröffnung im Jahr 1927 zu einer der prägendsten Rennstrecken des internationalen Motorsports und war über mehrere Generationen hinweg Austragungsort von Grand-Prix-, Sportwagen-, Tourenwagen- und Motorradrennen. Ihr außergewöhnlicher Schwierigkeitsgrad inspirierte Jackie Stewart zu seiner berühmten Bezeichnung „Grüne Hölle“, während ihre Geschichte viele der Fahrer, Hersteller und Rennwagen umfasst, die den europäischen Motorsport des 20. Jahrhunderts geprägt haben.
Ihre Bedeutung reicht weit über den organisierten Rennsport hinaus. Hersteller und spezialisierte Ingenieurbüros nutzen die Nordschleife intensiv für die Fahrzeugentwicklung, Dauerlaufversuche und Leistungsvergleiche, während die Rundenzeiten von Serienfahrzeugen zu international anerkannten Maßstäben für hohe Leistungsfähigkeit geworden sind. Nur wenige Rennstrecken haben die Entwicklung und die öffentliche Wahrnehmung von Straßenfahrzeugen so unmittelbar beeinflusst.
Die Nordschleife pflegt zudem durch die Touristenfahrten eine ungewöhnliche Verbindung zu gewöhnlichen Motorsportbegeisterten, da sie es der Öffentlichkeit ermöglicht, diese außergewöhnliche Strecke selbst zu erleben. Wettkämpfe, die Entwicklung durch die Hersteller und das öffentliche Befahren finden somit auf einer einzigen Rennstrecke statt, was die Nordschleife zu einem einzigartigen Schnittpunkt zwischen Motorsportgeschichte, Automobiltechnik und Fan-Kultur macht.
Besuchserlebnis
Nur wenige Orte bieten Motorsportbegeisterten so viele Möglichkeiten, den Motorsport hautnah zu erleben.
Bei den Touristenfahrten können Besucher mit straßenzugelassenen Fahrzeugen auf der Nordschleife fahren und sich die Rennstrecke mit anderen Motorsportbegeisterten aus aller Welt teilen. Häufig sind Prototypen der Hersteller neben Sportwagen, Motorrädern und sorgfältig gepflegten Oldtimern unterwegs, was eine einzigartig demokratische Atmosphäre schafft.
Diese Zugänglichkeit hat rund um die Rennstrecke eine einzigartige internationale Gemeinschaft entstehen lassen. Fahrer, Motorradfahrer, Fotografen, Hersteller, Werkstätten und Motorsportbegeisterte versammeln sich während der gesamten Saison rund um die Nordschleife, wodurch dort eine Atmosphäre entsteht, die eher einer lebendigen Automobilwelt gleicht als einer herkömmlichen Motorsportstätte.
Besucher können zudem Langstreckenrennen verfolgen, nahegelegene Museen erkunden und die bemerkenswerte Kultur genießen, die sich rund um die Dörfer in der Umgebung der Rennstrecke entwickelt hat, wo die Automobiltechnik Teil des Alltags ist.
Lage
Die Nordschleife befindet sich auf dem Gelände des Nürburgrings in der Nähe von Nürburg in der deutschen Eifel.
Umgeben von Wäldern, Vulkanhügeln und traditionellen Dörfern gilt es nach wie vor als eine der einzigartigsten Motorsportlandschaften Europas und als weltweites Anziehungspunkt für Ingenieure, Hersteller und Motorsportbegeisterte gleichermaßen.
Adresse
Nürburgring Nordschleife
53518 Quiddelbach
Rheinland-Pfalz
Deutschland
Website