1963 ließ ein Traktorenhersteller aus Cento in Sant’Agata Bolognese binnen acht Monaten die ersten Gebäude einer Automobilfabrik errichten, gerade rechtzeitig, um der Presse dort seinen ersten Wagen zu zeigen. In diesen Gebäuden steht das Museum von Lamborghini, am Tor des Werks an der Via Modena, und an seiner Tür beginnen die Führungen durch die Produktionslinien. Auf seinen zwei Etagen versammelt es die Wagen, die den Namen groß gemacht haben, vom Miura und vom Countach bis zu den Few-off-Modellen, die in ihrem Kielwasser entstanden.
Dies ist ein Museum der Widersprüche, in schönster Ordnung gehalten. Ferruccio Lamborghini setzte einen Stier in sein Wappen, weil er im Zeichen des Stiers geboren war, und an den Rennsport als Mittel, seine Wagen zu verkaufen, glaubte er nie; drei junge Männer aus seinem Team bauten das Chassis des Miura trotzdem, und er ließ sie gewähren. Das Museum hat drei Namen getragen, zuletzt den des Unternehmens selbst. Und von den vier Veneno-Coupés verkaufte Lamborghini drei und behielt das graue für sich.
Kurz gesagt
- Das Museum wurde 2001 in den ersten Gebäuden des Werks eröffnet, das Ferruccio Lamborghini 1963 in Sant’Agata Bolognese gegründet hatte.
- 2019 wurde es zum MUDETEC, dem Museum der Technologien, und 2023, im sechzigsten Jahr des Unternehmens, nahm es dessen Namen an: Museo Automobili Lamborghini.
- Auf zwei Etagen zeigt es den Miura, den Countach und die Few-off-Modelle, darunter den Sesto Elemento, den Veneno und den Centenario.
- Polo Storico, die Traditionsabteilung von Lamborghini, arbeitet gleich hinter dem Haupteingang und restauriert und zertifiziert die Wagen vom 350 GT bis zum Diablo.
- Am Museum beginnen die Führungen durch die Produktionslinien.
- 2024 besuchten 172.000 Menschen das Museum, so viele wie nie zuvor.
Geschichte
Ferruccio Lamborghini kam am 28. April 1916 in Renazzo zur Welt, einem Ortsteil von Cento, und wurde zum Mechaniker ausgebildet. Nach dem Krieg baute er ausgemusterte Militärfahrzeuge zu Traktoren um. Der Stier, den er für seine Wagen wählte, war sein Sternzeichen, gezeichnet von Paolo Rambaldi, und das Tier passte zu einem Mann, dessen Redensart „tamugno come un toro“ lautete: stur wie ein Stier. 1963 kaufte er Land in Sant’Agata Bolognese, nahe seiner Heimatstadt, und in acht Monaten standen die ersten Gebäude. Am 20. Oktober 1963 zeigte er der Presse dort seinen ersten Wagen, den 350 GTV, und 1964 lief mit dem 350 GT die Produktion an.
An den Rennsport als Verkaufsargument für Straßenwagen glaubte er nie, und der Miura begann mit drei jungen Männern aus seinem Team: Giampaolo Dallara, Paolo Stanzani und dem Testfahrer Bob Wallace. Ferruccio war skeptisch, und er vertraute ihnen. Ihr nacktes Chassis, den V12 quer hinter dem Cockpit, war im November 1965 auf seinem Stand beim Turiner Autosalon zu sehen; Marcello Gandini zeichnete bei Bertone die Karosserie, und am 10. März 1966 wurde der Miura in Genf vorgestellt. Lamborghini nennt ihn den ersten Supersportwagen. Dallara ging 1968, frustriert darüber, dass Ferruccio nicht in den Rennsport gehen wollte.
Auch den Countach zeichnete Bertone; 1971 wurde er als Prototyp gezeigt, und bis 1974 hatte Ferruccio das Unternehmen verkauft. 1998 kaufte es Audi, und zum umgebauten Firmensitz von 2001 gehörte ein Museum auf zwei Etagen. 2016 wurde es erneuert, an dem Tag, an dem die Miura-Besitzer zu einer Tour zum fünfzigsten Geburtstag des Modells aufbrachen, und im April 2019 öffnete es als MUDETEC wieder, als Museum der Technologien und Schaufenster für die Kohlefaser. Im Januar 2023, zum sechzigsten Jahr des Unternehmens, wurde es abermals umgestaltet und nahm den Namen des Unternehmens selbst an.
Die Sammlung
Die Ausstellung wechselt mit den Jahren, ihr Rückgrat aber bleibt. Seine Klassiker hat das Museum aufgestellt und jedem einen Titel beigegeben: der 350 GT, der erste Sportwagen von Lamborghini; der Miura, bei seinem Erscheinen das schnellste Auto der Welt; der Espada, der erste viersitzige Sportwagen mit V12; der LM002, der erste Geländewagen von Lamborghini. Nach ihnen kommt der Countach, und der V12, den Giotto Bizzarrini 1963 konstruiert hatte, trieb ihn vom ersten bis zum letzten Produktionsjahr an.
Dann folgen die Few-off-Modelle, Wagen in kleiner Stückzahl. Der Sesto Elemento, fast vollständig aus Kohlefaser und allein für die Rennstrecke bestimmt, wurde 20-mal gebaut. Der graue Veneno ist das Coupé, das im Unternehmen blieb. Der Sián und der Countach LPI 800-4 waren die ersten Lamborghini mit Hybridtechnik. 2021 schrieb Marcello Gandini, er habe beim neuen Countach keine Rolle gespielt; Lamborghini antwortete, man habe ihm auch nie eine zugedacht.
Hinter den Wagen steht Polo Storico: 2015 eröffnet, hütet die Abteilung das Archiv und restauriert und zertifiziert die Klassiker. 2021 rekonstruierte sie nach den Originalunterlagen und in mehr als 25.000 Stunden den ersten Countach, jenen LP 500, der im März 1974 bei Crashtests geopfert worden und verloren gegangen war; nach seinem Debüt in der Villa d’Este kam der Wagen im Herbst desselben Jahres ins Museum. 2026, im sechzigsten Jahr des Miura, zeigte das Museum erneut das Chassis von 1965, neben Fabian Oefners „Disintegrating X – Miura“, lebensgroß reproduziert.
Ein Museum neben einem Werk erzählt dessen Geschichte. Dieses steht mitten darin: in den Gebäuden, die Ferruccio Lamborghini 1963 in acht Monaten errichten ließ, und die Produktionslinien liegen eine Führung von seiner Tür entfernt.
Es bewahrt zudem das Paradox, mit dem die Marke begann: Ein Mann, der nicht in den Rennsport gehen wollte, baute den Wagen, den sein eigenes Unternehmen den ersten Supersportwagen nennt, und eine Linie, die weiterführt bis zur Kohlefaser und zu den hybriden Few-off-Modellen. Der Stier war sein Sternzeichen; die Sturheit war seine eigene.
Und das Publikum hat es gefunden: 2017 kamen rund 100.000 Besucher, 2024 mit 172.000 so viele wie nie zuvor.
Besuchserlebnis
Das Museum teilt die Anschrift des Werks, Via Modena 12, und liegt zu Fuß rund einen Kilometer vom Hauptplatz von Sant’Agata Bolognese entfernt. Das Zentrum von Polo Storico ist der erste Raum hinter dem Haupteingang.
Der Rundgang führt über zwei Etagen, durch die Jahrzehnte und die Few-off-Modelle, und an einem Fahrsimulator darf der Besucher selbst ans Steuer.
Dem Museum gebe man eine Stunde und hänge die Führung durch die Produktionslinien an, die an seiner Tür beginnt. Der Rest des Tages gehört dem Motor Valley ringsum.
Klima
| Monat | Max. °C | Min. °C | Niederschlag mm | Regentage | Tageslicht h |
|---|---|---|---|---|---|
| Januar | 8° | 0° | 48 | 8 | 9,3 |
| Februar | 10° | 1° | 61 | 8 | 10,5 |
| März | 14° | 4° | 62 | 8 | 12,0 |
| April | 18° | 8° | 80 | 12 | 13,5 |
| Mai | 23° | 12° | 82 | 10 | 14,8 |
| Juni | 28° | 17° | 65 | 9 | 15,5 |
| Juli | 31° | 20° | 54 | 8 | 15,2 |
| August | 30° | 20° | 59 | 9 | 14,0 |
| September | 25° | 15° | 76 | 9 | 12,5 |
| Oktober | 19° | 11° | 78 | 9 | 11,0 |
| November | 13° | 6° | 88 | 10 | 9,6 |
| Dezember | 8° | 1° | 66 | 9 | 8,9 |
Monatsmittel für Sant'Agata Bolognese, IT, 1991–2020.
Erstellt mit Informationen des Copernicus Climate Change Service, 2026 (CC BY 4.0).
Weder die Europäische Kommission noch das ECMWF haften für die Verwendung der Copernicus-Informationen oder der darin enthaltenen Daten.
Lage
Das Museum steht an der Straße nach Modena, am Rand von Sant’Agata Bolognese, einer Kleinstadt in der Ebene zwischen Modena und Bologna. Auf der Straße sind es 19 Kilometer bis Modena, 30 bis Bologna und 24 bis zu dessen Flughafen, nach Mailand im Nordwesten 190. Der nächste Bahnhof liegt 6 Kilometer entfernt in San Giovanni in Persiceto, und Renazzo, wo Ferruccio Lamborghini zur Welt kam, 22 Kilometer nordöstlich.
Ringsum liegt das Motor Valley. Pagani in San Cesario sul Panaro ist 15 Kilometer entfernt, das Enzo Ferrari Museum in Modena 19, das Ducati Museum in Borgo Panigale 22, das Ferruccio Lamborghini Museum der Familie in Funo di Argelato, mit seinen Traktoren, 23, die Rennstrecke von Modena 30, die Sammlung Umberto Panini mit ihren Maserati 33 und das Ferrari Museum in Maranello 35. Imola, dessen Rennstrecke die Namen von Enzo und Dino Ferrari trägt, liegt 74 Kilometer südöstlich.
Adresse
12 Via Modena
40019 Sant'Agata Bolognese
Città Metropolitana di Bologna, Emilia-Romagna
Italien
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